Auktion 283 : Graphik und Handzeichnungen Alter Meister 12.09.2024
2094 Francisco de Goya Fuendetodos 1746–1828 Bordeaux Franc. co Goya y Lucientes, Pintor Blatt 1 der Folge «Los Caprichos» 1796–1798, 1. Ausgabe von 1799. Radierung und Aquatinta auf Bütten. 31,5×22,2 cm, Blattgrösse. Schätzung CHF 7500 Werkverzeichnis Harris 36/III/1 (v. 12). Provenienz Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, Lugt 913b. Literatur Konrad Renger/Gerd Unverfehrt, FranciscoGoya, Radie rungen, Ausstellungkatalog Kunstsammlung Georg-August Uni versität, Göttingen 1976. Ausstellungen Basel/Hovikodden 1975/1977, Kunstmuseum/ Henie-Onstad Kunstsenter, Meisterwerke der Graphik von 1800 bis zur Gegenwart, vgl. Kat. Nr. 5. Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Schweizer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld], Kat. Nr. 6a. Genf 1993, Muséed’art et d’histoire, Cabinet des estampes, Goya– Rembrandt, La mémoire de l’œil. Bern 1996/1997, Galerie Kornfeld, Francisco Goya, Sein Leben im Spiegel der Graphik, Kat. Nr. 7. Die erste Graphikfolge Goyas umfasst 80 Aquatintaradierungen, wovon Goya eine Auflage von 275 bis höchstens 300 Exemplaren drucken liess. Die Suite wurde im Februar 1799 erstmals zum Ver kauf angeboten, aber wegen ihrer Gesellschaftskritik und der Furcht, deswegen belangt zu werden, rasch wieder zurückgezo gen. Hinter dem Titel der Serie, der unbeschwerte und heitere Ein fälle, die zwischen Vernunft und Phantasie changieren, verspricht, verbergen sich harsche StellungnahmenGoyas über seineGegen wart, die auch in ihren Verklausulierungen deutlich waren. So the matisierte er beispielsweise den Machtmissbrauch von Adel und Klerus und geisselte den Aberglauben und die Probleme, welche Armut befördern. Gleichwohl stellte die satirische Folge kein Hin dernis für Karl IV. dar, Goya 1799 zumersten Hofmaler zu ernennen. Goya übergab 1803 die Druckplatten und 240 Exemplare der Auf lage der Verwaltung des Königlichen Haushalts, wofür sein Sohn Francisco Javier eine Leibrente erhielt. Aus dem königlichen Bestandwurden Exemplare verschenkt, aber auch in denMadrider Buchhandel abgegeben. Zu den Blättern haben sichmehrere zeitgenössische Kommentare erhalten, mit deren Hilfe die Blätter interpretiert werden können. Die frühesten, ca. 1799–1803 entstanden, stammen von dem Dra matiker Adelardo López de Ayala und von einemAnonymus, in dem man gerne Goya selbst erkennen wollte. Dieses Manuskript wird Prado-Manuskript genannt. Beide Texte sindmehrfach sogar wort gleich. So ergibt sich, dass die Caprichos die traditionelle und damals vertraute emblematische Bildsprache nutzen, die aus drei für sich allein unverständlichen Teilen besteht: aus Ikon, Lemma und Epigramm. Jedes Capricho besteht demnach aus Ikon (Bild) und aus Lemma (Bildtitel). Die Funktion des erläuternden Epi gramms übernehmen die zeitgenössischen Kommentare (Konrad Renger/Gerd Unverfehrt, pag. 22). Goya entschied sich, ein Selbstbildnis an den Beginn seiner Serie zu setzen. Lange hatte er mit demGedanken gespielt, das Blatt «El sueno de la razon produce monstruos» (siehe unser Los 2096) an den Anfang zu stellen. Der skeptische, gleichwohl rationale Gesichtsausdruck seines Selbstbildnisses steht imKontrast zu den vielen phantastischen Darstellungen der Serie. Der Künstler gibt sich im Profil als Büste wieder und bezieht sich damit auf antike Porträts. Sein Zylinderhut, der in jenen Jahren überhaupt erst in Mode kam, weist ihn jedoch als eine Persönlichkeit aus, die ganz in der Gegenwart steht. *
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