Auktion 274 : Kunst des 19. und 21. Jahrhunderts Teil 2 16.09.2021

93 353 ERNST LUDWIG KIRCHNER UND LISE GUJER Aschaffenburg 1880–1938 Davos und Zürich 1893–1967 Davos-Sertig Schwarzer Frühling – Selbstbildnis mit Erna (35000.–) Verzahnte Wirkerei mit Leinenkette und farbigem Wollschuss – Wandbehang. 190×92 cm 1929, Fassung nach 1954. E.W. Kornfeld, Textilarbeiten nach Entwürfen von E.L. Kirchner der Davoser Jahre, Bern 1999, Nr. 19/B. Sauber und farbfrisch in der Erhaltung, rückseitig beige gefüttert. – Provenienz: Privatsammlung Schweiz, angekauft bei Lise Gujer. – Diese Wirkerei entstand erstmals 1929, nach dem Ölbild «Schwarzer Frühling» vom Frühling/Sommer 1923 (vgl. Gordon 749). Um Kirchner über diesen «schwarzen Frühling» hinwegzuhelfen, wurde das Ölbild schon 1923 oder 1924 vom Ehepaar Jakob und Elsa Bosshart-Forrer in Clavadel angekauft und blieb nahezu ein Jahrzehnt in Clavadel. Lise Gujer stand, mit Einverständnis von E.L. Kirchner, 1929 das Ölbild als Vorlage zur Verfügung. In den Jahren 1954 bis 1965 entstanden mindestens 7 weitere Exemplare der Wirkerei. Im Frühjahr 1923 trafen Kirchner zwei Schicksalsschläge, die ihm damals sehr zu schaffen machten. Nach dem Tod seines Arztes Dr. Lucius Spengler kam es, wegen der Herausgabe der Krankengeschichte, zum Bruch mit dem Haus Spengler. Kirchner verlor dadurch einen wesentlichen intellektuellen Kontakt und auch eine Finanzquelle. Zur gleichen Zeit wurde ihm von der Familie Müller, die Eigenbedarf geltend machte, sein ihm lieb gewordenes Haus «In den Lärchen» auf Herbst 1923 gekündigt. Kirchner schuf darauf das bedeutende Ölbild «Schwarzer Frühling», ein Doppelbildnis, auf dem sich Kirchner in tröstender Haltung über die im Gras sitzende Erna beugt. Wenig später entstand eine verwandte Radierung mit demselben Titel «Schwarzer Frühling» (Gercken 1346)

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